Wandbild „Wilhelmine Siefkes“ im Garten des Bürgerhauses

Das Wandbild würdigt die Schriftstellerin Wilhelmine Siefkes (1890–1984), die in Jemgum als junge Lehrerin tätig war und hier prägende Erfahrungen für ihr späteres literarisches Schaffen sammelte.

Im Zentrum steht Siefkes in fortgeschrittenem Alter, dargestellt mit einem Buch in der Hand – als Hinweis auf ihr Werk und ihre Rolle als Erzählerin ostfriesischer Lebenswirklichkeit. Ihr Blick ist nicht direkt auf den Betrachter gerichtet, sondern führt an ihm vorbei. Dadurch entsteht eine nachdenkliche, distanzierte Haltung, die den Eindruck eines Rückblicks auf ihr Leben und ihre Erfahrungen vermittelt. Der Roman „Keerlke“ ist ihr bekanntestes Werk.

Links ist sie als junge Frau dargestellt. Ihr Blick richtet sich nicht auf das spätere Porträt, sondern auf das Zitat im rechten unteren Bereich. Diese Blickführung stellt eine direkte Verbindung zwischen ihrer Zeit in Jemgum und ihrem späteren literarischen Ausdruck her: Die Erfahrungen vor Ort werden zur Grundlage ihres Schreibens.

Das Zitat im oberen Bereich – „Der Mensch ist aber weder gut noch böse, die Fähigkeit zu beidem ruht in ihm.“ – stammt aus ihrem autobiografischen Werk Erinnerungen und steht für ihr differenziertes Menschenbild. Es verweist auf ihre Auseinandersetzung mit moralischen Fragen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Das Zitat im rechten unteren Bereich – „Hier in Jemgum erlebte ich, wie schön diese Sprache war“ – greift Gedanken aus Erinnerungen auf und verweist auf die prägende Rolle der plattdeutschen Sprache. Es markiert den Ausgangspunkt ihres literarischen Denkens und macht deutlich, wie eng Ort, Sprache und Erfahrung miteinander verbunden sind.

Die rote Fläche mit dem Schriftzug „Nicht unterschrieben“ ist kein Originalzitat, sondern ein künstlerisches Statement. Es erinnert an ihre Haltung während der Zeit des Nationalsozialismus: Wilhelmine Siefkes verweigerte die ideologische Anpassung und unterschrieb keine entsprechende Loyalitätserklärung.

Die Lampe im oberen Bereich verweist auf die Lebensrealität der damaligen Zeit, in der Straßenlaternen noch von Hand entzündet und gelöscht wurden. Gleichzeitig steht sie sinnbildlich für Bildung, Erkenntnis und das Weitergeben von Wissen als zentrale Themen im Leben und Wirken von Wilhelmine Siefkes.

Im unteren Bildbereich ist ihr Geburtshaus in der Rathausstraße in Leer dargestellt. Es steht stellvertretend für ihre Herkunft und ihre lebenslange Verbundenheit mit der Region.

Das Wandbild verbindet biografische Elemente mit symbolischen Darstellungen und macht zentrale Aspekte ihres Lebens sichtbar: Herkunft, Bildung, Sprache und eine klare, unbeugsame Haltung. Es lädt dazu ein, sich mit der Person Wilhelmine Siefkes und ihrer Zeit näher auseinanderzusetzen. Vielleicht gelingt es den Betrachtenden auch, Parallelen zwischen der Vergangenheit und der heutigen Zeit herzustellen …

Der Künstler

Ein besonderer Dank geht an den Künstler Germar Claus, der dieses Projekt so wunderbar umgesetzt hat. Germar Claus ist in Leer in Ostfriesland aufgewachsen und beschäftigt sich seit 1996 mit Graffiti und großformatiger Wandgestaltung. Seine frühen Arbeiten entstanden zum Großteil bei illegalen Aktionen. Auch erste Aufträge unter dem Künstlernamen SHAKE entstanden in dieser Zeit. 

Ab 2015 begann Claus, Fassaden- und Kunstprojekte in Ostfriesland und Norddeutschland umzusetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei häufig regionale Geschichte, gesellschaftliche Themen und der Bezug zum jeweiligen Ort.

Das Kunstwerk konnte realisiert werden durch das Förderprogramm vital village der Stiftung Niedersachsen. Auch hierfür bedanken wir uns herzlich.

Künstler Germar Claus bearbeitet die letzen Feinheiten des Bildes.